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Grundlagen3D Druck

Multicolor 3D Druck mit Bambu Lab AMS: Der komplette Einsteiger-Guide

Mehrfarbig drucken mit Bambu Lab AMS: Wir erklären den Unterschied zwischen AMS und AMS Lite, welche Filamente sich eignen, wie der Purge Tower funktioniert und welche Fehler Einsteiger am häufigsten machen.

Wer zum ersten Mal ein mehrfarbig gedrucktes Objekt in der Hand hält, will danach nie wieder einfarbig drucken. Aber der Einstieg in den Multicolor-Druck wirkt auf den ersten Blick kompliziert: AMS, Purge Tower, Farbwechsel, Reinigungsvolumen. Was steckt dahinter, und wie gelingt der erste mehrfarbige Druck ohne Frust? Dieser Guide erklärt alles, was du wissen musst.

Was ist das Bambu Lab AMS?

AMS steht für Automatic Material System. Es ist ein externes Gerät, das bis zu vier Filamentrollen aufnimmt und diese automatisch an den Drucker liefert. Beim Farbwechsel zieht das AMS das aktuelle Filament zurück, führt das neue ein und der Druck geht nahtlos weiter. Alles passiert vollautomatisch, ohne dass du manuell eingreifen musst.

Das AMS wird nicht nur für verschiedene Farben genutzt. Du kannst damit auch verschiedene Materialien in einem Druck kombinieren, etwa PLA für den Hauptkörper und ein lösliches Material wie PVA als Stützstruktur. Das ist besonders praktisch bei komplexen Geometrien. Wichtig dabei: PVA ist extrem feuchtigkeitsempfindlich und muss sehr trocken eingelagert werden, sonst verstopft es die Düse.

AMS vs. AMS Lite: Was ist der Unterschied?

Bambu Lab bietet zwei Versionen des Systems an, und die Wahl hängt davon ab, welchen Drucker du besitzt.

Das AMS ist das vollwertige System. Es liest Filamentdaten per RFID direkt von der Spule, überwacht die Feuchtigkeit im Inneren der Kammer und lässt sich bis zu vier Mal stapeln, was bis zu 16 Filamente gleichzeitig ermöglicht. Es ist für die Drucker der X- und P-Serie ausgelegt.

Das AMS Lite ist die vereinfachte, offene Version, die mit dem A1 und dem A1 Mini geliefert wird. Es kann nicht gestapelt werden und ist auf einen einzigen Slot-Satz mit vier Farben begrenzt. Bambu-Lab-Filamente werden im AMS Lite nicht automatisch per RFID erkannt, sondern müssen manuell im Slicer konfiguriert werden.

Für die meisten Anwendungsfälle im Hobby-Bereich ist das AMS Lite absolut ausreichend.

Welche Filamente eignen sich für Multicolor-Druck?

Nicht jedes Filament eignet sich gleich gut für den Mehrfarb-Druck. Die wichtigste Regel lautet: Gleiche Materialien kombinieren. PLA mit PLA, PETG mit PETG. Unterschiedliche Materialien haben unterschiedliche Drucktemperaturen und Betttemperaturen, was beim automatischen Wechsel zu Problemen führen kann.

PLA ist das ideale Einsteigermaterial für Multicolor-Drucke. Es haftet gut, neigt nicht zu Warping und die Farbwechsel gelingen zuverlässig. Wer mehrfarbige Dekorationsobjekte, Figuren oder beschriftete Teile drucken will, liegt mit PLA richtig.

PETG funktioniert ebenfalls gut, ist aber anspruchsvoller. Das Material neigt stärker zu Stringing, was beim Farbwechsel zu feinen Fäden zwischen den Farben führen kann. Dafür ist es stabiler und feuchtigkeitsbeständiger als PLA.

TPU und andere flexible Filamente sind für Mehrfarb-Druck nicht empfehlenswert. Das Material ist zu weich für den automatischen Wechsel im AMS und führt häufig zu Verstopfungen.

Ein wichtiger Tipp: Bambu-Lab-Filamente werden vom AMS per RFID automatisch erkannt und konfiguriert. Filamente anderer Hersteller musst du manuell im Slicer einstellen, was aber problemlos funktioniert und dir deutlich mehr Auswahl bei besseren Preisen gibt.

Einrichtung Schritt für Schritt

1. Filament einlegen

Lege die Filamentrollen in die Slots des AMS. Achte darauf, dass die Rollen fest sitzen und das Filament glatt abrollt. Bambu-Lab-Rollen werden automatisch erkannt. Für Drittanbieter-Filamente öffnest du Bambu Studio, klickst auf den jeweiligen Slot und wählst Material und Farbe manuell aus.

2. Modell vorbereiten

Lade dein Modell in Bambu Studio oder Orca Slicer. Für mehrfarbige Drucke brauchst du entweder ein Modell, das bereits als mehrere Einzelteile (Bodies) vorliegt, oder du verwendest das Einfärbe-Werkzeug direkt im Slicer.

Das Einfärbe-Werkzeug findest du in Bambu Studio oben rechts über das Farbeimericon. Du kannst damit einzelne Flächen, ganze Körper oder sogar Höhenbereiche mit einer bestimmten Farbe belegen. Für einfache Logos oder Schriften auf Objekten ist die Funktion “nach Höhe einfärben” besonders praktisch.

3. Farben den AMS-Slots zuweisen

Sobald du Farben im Modell vergeben hast, siehst du in der Slicer-Oberfläche welcher Slot für welche Farbe zuständig ist. Du kannst die Zuordnung per Drag-and-Drop anpassen.

4. Slicen und drucken

Starte den Slice-Vorgang. Der Slicer berechnet automatisch den Purge Tower und alle Farbwechsel. Prüfe in der Vorschau, ob die Farben so sitzen wie gewünscht, und starte dann den Druck.

Der Purge Tower: Was steckt dahinter?

Der Purge Tower ist eines der ersten Dinge, die Einsteiger beim Mehrfarb-Druck irritieren. Er ist ein kleiner Quader neben dem eigentlichen Objekt, der beim Drucken automatisch mitgedruckt wird und nach dem Druck weggeworfen wird.

Warum braucht man ihn? Beim Farbwechsel zieht das AMS das alte Filament zurück und führt das neue ein. In der Düse verbleiben dabei Reste der alten Farbe. Würde direkt am Objekt weitergedruckt, würde diese Mischfarbe das Objekt verunreinigen. Stattdessen druckt der Drucker zunächst einige Schichten am Purge Tower, bis das alte Material vollständig gespült ist, und wechselt dann zurück zum Objekt.

Die Größe des Purge Towers hängt davon ab, wie viele Farbwechsel stattfinden und wie viel Reinigungsvolumen pro Wechsel eingestellt ist. Je mehr Farbwechsel, desto größer der Tower und desto mehr Filament wird verschwendet. Das ist ein echter Kompromiss beim Mehrfarb-Druck.

So optimierst du den Purge Tower:

Beim Wechsel von einer dunklen zu einer hellen Farbe ist mehr Reinigungsvolumen nötig als umgekehrt. In Bambu Studio kannst du unter den Filamenteinstellungen eine Flush-Matrix konfigurieren, die für jede Farbkombination individuell festlegt, wie viel gespült wird. Wer viel mehrfarbig druckt, investiert etwas Zeit in diese Einstellung und spart damit auf Dauer Filament und Druckzeit.

Bambu Studio bietet zwei weitere Möglichkeiten, den Abfall zu reduzieren. “Flush into Infill” lässt den Drucker das gespülte Material direkt als Infill in das Modell eindrucken, anstatt es am Tower zu verbrauchen. Das funktioniert gut bei Teilen mit großem Infill-Anteil. “Flush into Objects” geht noch weiter: Dabei wird ein separates Objekt auf der Druckplatte als Purge-Ziel genutzt, oft ein einfacher Zylinder oder Würfel. Beide Optionen findest du in Bambu Studio unter den Filamenteinstellungen und können den Materialverbrauch um mehr als 50 Prozent senken.

Die häufigsten Anfängerfehler

Zu wenig Reinigungsvolumen. Wer den Purge Tower möglichst klein halten will und das Reinigungsvolumen zu stark reduziert, bekommt Farbverschmutzungen im Druck. Besonders beim Wechsel von Schwarz zu Weiß ist ausreichend Spülen wichtig.

Inkompatible Materialien kombinieren. PLA und PETG in einem Druck funktioniert nur in sehr speziellen Setups. Im Standardfall gibt es Adhäsionsprobleme zwischen den Materialien oder Temperaturkonflikte.

Feuchtes Filament. Mehrfarb-Drucke dauern länger als einfarbige. Je länger der Druck, desto mehr Zeit hat das Filament, Feuchtigkeit aufzunehmen. Wer merkwürdige Blasen, Stringing oder ungleichmäßige Oberflächen sieht, sollte zuerst das Filament trocknen.

Keine Schichtvorschau vor dem Druck. Der Slicer zeigt eine detaillierte Schichtvorschau, in der du jeden einzelnen Layer prüfen kannst. Einmal kurz durchscrollen lohnt sich fast immer, weil sich Fehler in der Farbzuweisung hier sofort zeigen.

AMS-Slots nicht korrekt konfiguriert. Bei Drittanbieter-Filamenten ist es wichtig, das richtige Material und die korrekte Drucktemperatur im Slicer einzutragen. Falsche Einstellungen führen zu Unterextrusion oder Verstopfungen beim Materialwechsel.

Welches Filament kaufen?

Für den Einstieg empfiehlt sich PLA von einem guten Hersteller mit konstanter Dicke und gut getrockneter Produktion. Günstiges No-Name-Filament spart kurzfristig Geld, führt aber beim Mehrfarb-Druck häufiger zu Problemen, weil Dickenschwankungen die präzisen Farbwechsel stören.

Bekannte Marken mit guter Qualität für AMS-Drucke sind Bambu Lab eigene Filamente, Polymaker, Sunlu und eSUN. Den direkten Preisvergleich zwischen diesen Marken findest du im layer.guru Filament-Preisvergleich.

Fazit

Mehrfarbiger 3D Druck ist mit dem Bambu Lab AMS deutlich zugänglicher geworden als früher. Wer die Grundprinzipien versteht, gleiche Materialien kombiniert, das Reinigungsvolumen vernünftig einstellt und gutes Filament verwendet, wird schon beim ersten Versuch überraschend gute Ergebnisse sehen. Der Purge Tower ist kein Bug, sondern ein Feature. Und je öfter man mehrfarbig druckt, desto intuitiver werden die Einstellungen.

Hast du schon erste Erfahrungen mit Multicolor-Druck gemacht? Schreib es in die Kommentare.